Geschichte

Kurze Geschichte der Ladenburger SPD

Die SPD ist die traditionsreichste deutsche Partei. Seit mehr als 140 Jahren setzt sie sich für Freiheit und soziale Gerechtigkeit ein. Wie keine andere Partei steht die SPD für Demokratie und Fortschritt. Ihre Wurzeln reichen bis in die Zeit der Revolution von 1848 zurück.

In Ladenburg wurde der Arbeiter-Wahlverein, aus dem sich der Ortsverein der SPD entwickelte, im Frühjahr 1889 gegründet Unter dem Vorsitz von Bruno Urban trafen sich.damals die ersten Mitglieder im Gasthaus „zum goldenen Löwen“, obwohl das von „Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser“ am 21. Oktober 1878 verkündete „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ noch in Kraft war.
Einen starken Antrieb erhielt die Bewegung dadurch, dass im Jahre 1895 die Tabakarbeiter-Genossenschaft – die „roten Wickler“ - ihren Sitz nach Ladenburg verlegte und die Schuhmacher der neuen Schuhfabrik trotz schmerzhafter Maßregelungen aktiv wurden. Mehrere Mitglieder verloren ihre Arbeit und mussten Ladenburg wieder verlassen. Im Jahre 1903 hatte die Ladenburger SPD 78 Mitglieder, 1906 waren es 101 und im Jahr des 40-jährigen Jubiläums (1929) 134 Mitglieder, davon 27 Frauen.

Im Februar 1897 beteiligte sich die SPD zum ersten Male unter dem Dreiklassenwahlrecht an den Kommunalwahlen. Sie konnte in der Klasse der Niederstbesteuerten die Hälfte der Sitze gewinnen, während das Zentrum die Klasse der Mittelbesteuerten beherrschte. Als erster sozialdemokratischer Gemeinderat zog im Mai 1904 der Gastwirt Karl Stumpf („Würzburger Hof“ und „Martinstor“) in das Rathaus ein, wo er bis 1919 amtierte.

Bei der Wahl der Gemeindeverordneten im Mai 1919 erhielten von den 60 Mandaten die SPD 16 (darunter mit Anna Han und Marie Egenmaier erstmals zwei Frauen) und die USPD 9 Sitze. Schon bei dieser ersten Kommunalwahl nach dem Ersten Weltkrieg kandidierten jene Männer, die in der Weimarer Zeit zu den wichtigsten Mandatsträgern der Ladenburger SPD zählten: Louis Bargolini (langjähriger Bürgermeisterstellvertreter, Bezirksrat und Vorsitzender des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold), Johann Heilmann, Johann Köhler, Wilhelm Kreß sen. und Johann Leipf. Die Vereinigte Sozialdemokratische Partei (SPD und USPD) konnte bei der Gemeindeverordnetenwahl im November 1922 zum einzigen Male in der Zeit der Weimarer Republik mit 23 von 60 Sitzen die stärkste Fraktion stellen.

Bei allen vier Wahlen zum badischen Landtag 1919, 1921 1925 und 1929 erreichten die Parteien der Weimarer Koalition (SPD, DDP und Zentrum), die in Baden die Regierungskoalition bildeten, in Ladenburg mit 95,3, 68,3, 64,3 und 55 % immer die Mehrheit der Stimmen. 1919, 1921 und 1925 war die SPD stärkste Partei, 1929 das Zentrum.

Weitaus dramatischer verlief die SPD-Kurve bei den acht Reichtagswahlen in Ladenburg. Von 46,3 % im Januar 1919 ging der Stimmenanteil auf 18,2% im November 1932 zurück, verursacht durch die Konkurrenz der USPD, die relativ starke Stellung der Kommunisten und die NSDAP, die 1930 mit 22,5% stärkste Partei wurde. Als am 23. März 1933 im Reichstag Hitlers „Ermächtigungsgesetz“ zur Abstimmung gestellt wurde, gaben ihm Nationalsozialisten, Deutschnationale, Deutsche Volkspartei, Deutsche Staatspartei, Zentrum, Bayerische Volkspartei und die Splittergruppen ihre Zustimmung. Niemand aus diesen Reihen stimmte dagegen, keiner enthielt sich der Stimme. Nur die 94 von 120 SPD-Abgeordneten, die – von Hitlers Sturmtruppen umringt – noch an der Sitzung teilnehmen konnten, sagten bei der namentlichen Abstimmung ihr mutiges, unvergessliches „Nein“. Am 22. Juni 1933 wurde die SPD verboten; alle Mandatsträger der Partei wurden aus den Gremien, in denen sie bisher tätig waren, ausgeschlossen. So verwandelte sich eine zivilisierte Demokratie in eine barbarische Diktatur. Sinnbild für den Widerstand aus den Reihen der Sozialdemokraten waren Männer wie Kurt Schumacher, Wilhelm Leuschner und Julius Leber. Auch in Ladenburg konnten die Nazis trotz Terror, Verfolgung und „Schutzhaft“ die Opposition und Regime-Gegnerschaft nie völlig unterdrücken.

Mit der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 wurde der Kriegszustand, in dem sich das Deutsche Reich mit 67 Ländern befand, offiziell beendet, wenn auch nur in Europa. Mehr als 50 Millionen Tote wurden gezählt, 12 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene hatten nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch ihre Heimat verloren. Hauptaufgabe der Verantwortlichen in den Rathäusern war die Versorgung der Menschen mit Nahrung, Kleidung, Wohnraum und Brennstoff. Daneben galt es zerrissene Familien zusammenzuführen, Wirtschaft und Verwaltung wieder in Gang zu bringen. Dabei haben die Ladenburger Sozialdemokraten, die 1945 ihre Partei neu gründeten, maßgeblich mitgewirkt. Dafür stehen die Namen Willy Gärtner, Dr. Johann Göttlicher, Adam Hirt, Anton Hofmann, Willy Kreß, Willi Rieple, Ludwig Storch und Karl Schlegel. Mit weiteren Mandatsträgern vertraten sie die SPD in den Gemeinderatsgremien der Nachkriegszeit.

Bei den Gemeinderatswahlen konnte die SPD 1965 und 1968 die CDU überflügeln und zur stärksten Fraktion werden. Im Kreistag des Landkreises Mannheim und des Rhein-Neckar-Kreises war die SPD durch Willi Rieple (1946-1956), Reinhold Schulz (1965-1987) und Peter M. Stahl (1989-2004) vertreten. Seit 1999 gehört Wolfgang Zahner dem Gremium an.

Auf der Landesebene war der Ladenburger Gewerbeschuldirektor Willi Rieple (SPD) nicht nur bei der Nachwahl zur Verfassungsgebenden Landesversammlung für Baden-Württemberg im Jahre 1952 erfolgreich, sondern auch bei den Landtagswahlen 1956 und 1960. Sein Weinheimer Nachfolger Wolfgang Daffinger, der 1962 als Zweitkandidat in den Landtag einzog, konnte bei der Landtagswahl 1964 in Ladenburg und im Wahlkreis die meisten Stimmen auf sich vereinigen. Auch 1968 und 1972 errang er das Direktmandat, 1976, 1980, 1984, 1988 und 1992 das Zweitmandat. Ihm folgte 1996 der Weinheimer Rechtsanwalt Hans Georg Junginger (SPD) über das Zweitmandat. Bei den Landtagswahlen 2001 und 2006 war der Ladenburger SPD- und Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat Gerhard Kleinböck Ersatzbewerber.

Bei den Bundestagswahlen 1980 und 1998 erhielt die SPD in Ladenburg die meisten Erst- und Zweitstimmen, 2002 auch knapp die meisten Erststimmen. Der Wahlkreis 180 Mannheim II, zu dem Ladenburg gehörte, wurde im Bundestag durch die SPD-Abgeordneten Dr. Paul Kübler (1961-1969), Prof. Dr. Hans-Georg Schachtschabe (1969-1983) und Dr. Konstanze Wegner (1990-2002) vertreten. Seit 2002 vertritt Lothar Binding (SPD) den Wahlkreis 275 Heidelberg/Weinheim, dem auch Ladenburg zugeordnet wurde...

Bei den Direktwahlen der Bürgermeister waren die SPD-Bewerber Reinhold Schulz.(1965, 1973, 1985-93) und Rainer Ziegler (2001) erfolgreich.

In einer Feierstunde am 16. Dezember 1988 im Domhof gedachte die Ladenburger SPD der Parteigründung vor 125 Jahren und der Entstehung des Ortsvereins im Jahre 1889. Den Festvortrag hielt Innenminister a.D. Walter Krause.

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Chronik 125 Jahre SPD Ladenburg

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